Tanja Riegraf

Fühlst Du Dich manchmal gestresst, innerlich unruhig oder angespannt, obwohl der Tag eigentlich schon vorbei ist?

Vielleicht kreisen Deine Gedanken, Dein Nacken ist verspannt oder Du hast das Gefühl, einfach nicht abschalten zu können.

Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihr Nervensystem zu regulieren und Stress abzubauen. Eine überraschend einfache und gleichzeitig wirkungsvolle Methode ist das bewusste Ausschütteln des Körpers.

Was zunächst ungewohnt erscheinen mag, hat einen nachvollziehbaren biologischen Hintergrund und wird auch in körperorientierten Therapieansätzen und im Embodiment genutzt.

Warum unser Nervensystem manchmal im Stressmodus bleibt

Unser autonomes Nervensystem sorgt dafür, dass wir auf Herausforderungen reagieren können.

Geraten wir unter Stress, aktiviert sich der sogenannte Sympathikus. Der Körper schaltet in einen Zustand erhöhter Wachsamkeit:

  • Die Herzfrequenz steigt.
  • Die Atmung wird flacher.
  • Die Muskulatur spannt sich an.
  • Stresshormone werden ausgeschüttet.

Diese Reaktion ist überlebenswichtig und hilft uns, mit Belastungen umzugehen.

Schwierig wird es jedoch, wenn unser Körper nach stressigen Situationen nicht mehr ausreichend in die Entspannung zurückfindet.

Genau das erleben heute viele Menschen. Berufliche Anforderungen, ständige Erreichbarkeit, familiäre Belastungen oder emotionale Herausforderungen führen dazu, dass das Nervensystem dauerhaft unter Spannung steht.

Typische Anzeichen können sein:

  • innere Unruhe
  • Grübeln
  • Schlafprobleme
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Erschöpfung
  • erhöhte Reizbarkeit

Was Ausschütteln mit Stressabbau zu tun hat

In der Tierwelt lässt sich beobachten, dass Tiere nach einer überstandenen Gefahr häufig zittern oder sich schütteln.

Dadurch wird die zuvor mobilisierte Energie wieder entladen und das Nervensystem kann in einen Zustand von Sicherheit zurückkehren.

Auch wir Menschen besitzen diese natürliche Fähigkeit.

Allerdings haben viele von uns gelernt, Anspannung zu kontrollieren, Gefühle zurückzuhalten oder einfach weiterzumachen.

Die Folge: Stress bleibt häufig im Körper gespeichert.

Bewusstes Ausschütteln kann dabei helfen, diese Spannung wieder in Bewegung zu bringen.

Embodiment: Warum der Körper Einfluss auf unsere Psyche hat

Embodiment beschreibt das Zusammenspiel von Körper, Gedanken, Gefühlen und Nervensystem.

Lange Zeit stand in der Psychologie vor allem das Denken im Mittelpunkt. Heute wissen wir, dass unser Körper einen erheblichen Einfluss auf unser emotionales Erleben hat.

Wenn wir gestresst sind, verändert sich unsere Körperhaltung, unsere Atmung und unsere Muskelspannung.

Umgekehrt können körperliche Veränderungen auch unsere Stimmung und unser Wohlbefinden beeinflussen.

Deshalb setzen moderne körperorientierte Therapieansätze zunehmend auf Übungen, die nicht nur den Verstand, sondern auch den Körper einbeziehen.

Das Ausschütteln ist eine einfache Möglichkeit, diesen Zusammenhang unmittelbar zu erleben.

Wie Ausschütteln das Nervensystem unterstützen kann

Durch die rhythmische Bewegung wird der Körper aktiviert und gleichzeitig entlastet.

Viele Menschen berichten nach dem Ausschütteln über:

  • mehr innere Ruhe
  • ein Gefühl von Leichtigkeit
  • bessere Körperwahrnehmung
  • weniger Muskelspannung
  • mehr Energie und Präsenz

Das Ausschütteln ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung, kann aber eine wertvolle Unterstützung sein, um den Alltag bewusster zu gestalten und den Kontakt zum eigenen Körper zu stärken.

Praktische Übung: Ausschütteln gegen Stress und innere Unruhe

Diese Übung dauert nur zwei Minuten und lässt sich nahezu überall durchführen.

So funktioniert sie:

  1. Stelle Dich hüftbreit auf den Boden.
  2. Beuge die Knie leicht.
  3. Beginne damit, Deine Hände locker auszuschütteln.
  4. Lass nach und nach Arme, Schultern und Beine mitbewegen.
  5. Atme ruhig und gleichmäßig weiter.
  6. Schüttle den gesamten Körper für etwa ein bis zwei Minuten locker aus.

Dabei geht es nicht um Leistung oder Perfektion.

Es gibt kein richtig oder falsch.

Erlaube Deinem Körper einfach, sich frei zu bewegen.

Anschließend

Bleibe kurz stehen und nimm wahr:

  • Wie fühlt sich Dein Körper jetzt an?
  • Hat sich Deine Atmung verändert?
  • Spürst Du mehr Ruhe oder mehr Energie?
  • Was fällt Dir im Vergleich zu vorher auf?

Je regelmäßiger Du diese Übung praktizierst, desto leichter fällt es vielen Menschen, Spannungen frühzeitig wahrzunehmen und abzubauen.

Mein persönlicher Bezug zu diesem Thema

Im Rahmen meiner aktuellen Weiterbildung im Bereich Embodiment und körperorientierter Therapie beschäftige ich mich intensiv mit der Verbindung von Körper, Psyche und Nervensystem.

Dabei fasziniert mich immer wieder, wie viele Ressourcen bereits in uns vorhanden sind und wie oft unser Körper Wege kennt, die wir über reines Nachdenken nicht finden.

Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen unter Stress, Erschöpfung oder innerer Unruhe leiden, kann die bewusste Wahrnehmung des Körpers ein wertvoller Schlüssel zu mehr Selbstfürsorge und innerem Gleichgewicht sein.

Fazit: Manchmal braucht es Bewegung statt Grübeln

Wenn wir belastet sind, suchen wir häufig nach Lösungen im Kopf.

Doch nicht jede Anspannung lässt sich wegdenken.

Manchmal braucht unser Nervensystem etwas anderes: Bewegung, Wahrnehmung und die Erlaubnis, loszulassen.

Das Ausschütteln des Körpers ist eine einfache, natürliche und jederzeit verfügbare Möglichkeit, Stress abzubauen, das Nervensystem zu regulieren und wieder mehr bei sich selbst anzukommen.

Vielleicht probierst Du es gleich heute einmal aus.

Dein Körper weiß oft mehr, als Du denkst.

Tanja Riegraf
Heilpraktikerin für Psychotherapie

September 22, 2026 |